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YouTube löscht mehr als eine Million Videos mit Falschinformationen zu Covid-19
Allgemein Ein schnelles Löschen von Fake News sei der Video-Plattform zwar wichtig, aber nicht genug. YouTube belohne "gute" Inhalte mit einer höheren Reichweite.


Seit Februar 2020 hat YouTube nach eigenen Angaben mehr als eine Million Videos entfernt, die "gefährliche Informationen" in Zusammenhang mit dem Coronavirus beinhalten. Dennoch stelle die Entfernung von Falschinformationen die Betreiber vor Herausforderungen.

Widersprüchliche Informationen seien nicht immer klar zu erkennen und würden sich ständig weiterentwickeln. Daher arbeite YouTube an einem System, dass die Verbreitung von Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen weiter stärken und die Verbreitung "schlechter" Informationen möglichst verhindern soll.
Fake News überall

In einem Blogpost äußerte sich YouTubes Chief Product Officer (CPO) Neal Mohan zur Bekämpfung von Fehlinformationen auf der Plattform. Für die Betreiber sei die völlige Eindämmung von Fehlinformationen schwierig, da diese inzwischen auch im "Mainstream" angekommen seien und sich mit "rascher Geschwindigkeit" verbreiten. In erster Linie versuche Youtube sich mit seinen Richtlinien vor allem auf die Entfernung von Videos zu konzentrieren, die in der realen Welt "ungeheuerliche" Schäden verursachen könnten.

Mohans Argumentation zufolge ist es wichtiger, sich auf die Inhalte zu konzentrieren, die Menschen wirklich sehen. Die sogenannten "schlechten Inhalte" machten nur einen kleinen Prozentsatz (0,16 % bis 0,18 %) der gesamten Video-Ansichten aus. Seit Aktualisierung seiner Richtlinien im Oktober vergangenen Jahres hat YouTube rund 200.000 Videos gebannt, die aufgrund irreführender oder gefährlicher Inhalte zu Covid-19 gelöscht wurden. Bis Ende des Jahres waren es dann laut einem Bericht der EU-Kommission 700.000 gebannte Videos mit Covid-19-Desinformation. Insgesamt löscht YouTube 10 Millionen Videos jedes Vierteljahr. Eine Gesamtstatistik und weitere Details zu den Zahlen lieferte YouTube nicht und setzte die Zahlen auch nicht ins Verhältnis.
Faktenlage unübersichtlich

Laut Mohan sind Fehlinformationen nicht immer eindeutig zu erkennen, weil es ständig neue Entwicklungen und oft keine verlässlichen Primärquellen zum Wahrheitsgehalt von Aussagen gebe. Bei Covid verlasse sich YouTube auf den Konsens der Experten aus den verschiedenen Gesundheitsorganisationen wie dem CDC und der WHO.

Technologieunternehmen sind, meint Mohan, im Zweifelsfall nicht in der Lage zu entscheiden, wann und wo sie auf dem unübersichtlichen Gebiet der Fehlinformation Grenzen setzen. Wie nach einem Anschlag könnten widersprüchliche Informationen, etwa bei der Identifizierung von Tätern, von überall kommen — mit verheerenden Folgen. Die Lösung liege nicht darin, Inhalte schneller zu löschen — das versuche YouTube schon von Anfang an —, sondern darin, die Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen zu stärken und die Verbreitung schlechter Informationen zu reduzieren.

Schon Anfang 2019 kündigte die Plattform an, Videos mit Falschinformationen nicht in die generellen Empfehlungen für andere Nutzer aufzunehmen. Gelöscht wurden die Informationen in diesem Zusammenhang nicht. Mohan zufolge kann ein zu "aggressives" Vorgehen bei den Löschungen sich auch negativ auf die Meinungsfreiheit auswirken. YouTube stehe für eine offene Debatte, beobachte aber eine "beunruhigende neue Dynamik" dazu, dass "Regierungen die Löschung von Inhalten zu politischen Zwecken" anordnet.

(mack)
Autor: Predatorfighter | Freitag 27. 08. 2021 0 Kommentare


Wie Japan und Südkorea aus der Chipkrise kommen wollen
Allgemein Die USA, China und die EU kämpfen um die Dominanz in der globalen Chipindustrie. Nun kontern Tokio und Seoul mit eigenen Förderprogrammen.



Der neue Halbleitermerkantilismus der drei Wirtschaftsgroßmächte Europa, Vereinigte Staaten von Amerika und China setzt Ostasiens Hightechriesen Japan und Südkorea mächtig unter Druck. Mit vielen Milliarden Euro versuchen die USA, China und die EU derzeit, in ihren Wirtschaftsgrenzen Chipwerke anzusiedeln. Damit wollen sie bei einem Schlüsselbauteil der Digitalwelt autarker werden, denn die aktuelle Chipkrise macht ihnen massiv zu schaffen.
Ausfall in der Lieferkette

Nun legen auch Japan und Südkorea eigene Förderprogramme und Überlebensstrategien aus. Denn die Wirtschaftsplaner in Tokio und Seoul fürchten, bei dem Wettlauf der drei Giganten und dem Technikkrieg zwischen den USA und China ihre derzeit starke Position in der globalen Lieferkette zu verlieren.

Die japanische Regierung wird voraussichtlich im Juni eine neue Wachstumsstrategie vorstellen, in der die Wiederbelebung der lokalen Chipindustrie, die früher mit der amerikanischen die Welt dominierte, eine prominente Rolle spielen wird. Kazumi Nishikawa, der zuständige Beamte im Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti), nennt den Grund: "Wir fürchten, dass alle Bereiche der Chipindustrie außerhalb Japans liegen werden, wenn wir jetzt nichts tun."

Die genauen Details des Plans sind noch unbekannt, die Stoßrichtung nicht. Seine starke Position als Produktionsstandort hat Japan bereits verloren. Die Speicherchipherstellung wird von den südkoreanischen Konzernen Samsung Electronics und SK Hynix dominiert, die Waferherstellung von TSMC in Taiwan. Nur Kioxia, die frühere Halbleitersparte des Technikriesen Toshiba, bei Speicherchips und Renesas bei Komponentenchips halten noch die Stellung.
Zulieferprodukte und Uni-Wissen

Immerhin konnten bisher die Hersteller von Produktions- und Testanlagen sowie die Hersteller von Materialien und Spezialchemie für die Chipindustrie ihre oft dominierende Stellung in der Lieferkette behaupten. Auch an den Universitäten und in den Technikkonzernen gibt es weiterhin großes Chip-Knowhow. Aber die Regierung sorgt sich, dass auch diese Funktionen über kurz oder lang dorthin wandern, wo auch in großen Mengen Chips hergestellt werden.

In ihrem Hilfsprogramm setzt Japans Regierung allerdings nicht darauf, die gesamte Lieferkette im eigenen Land abzubilden, erklärt Nishikawa. "Wir müssen die Kapazitäten verbessern, aber gemeinsam mit anderen Ländern." Dafür will die Regierung ihre begrenzten Ressourcen auf Bereiche fokussieren, in denen die Industrie heute stark ist und die mit der Vernetzung des Alltags und der Fabriken boomen werden.

Dazu zählen Chips für vernetzte Geräte und Maschinen, Autos, Künstliche Intelligenz, Sensoren, Umwelttechnologien und als ein weiterer Bereich die Materialwissenschaft. Denn kein einzelnes Land könne die benötigte Vielfalt und die Stückzahlen liefern, meint Nishikawa. "Man braucht eine globale Lieferkette."
TSMC will in Japan forschen

Japans Regierung verhandelt daher bereits mit den USA über gemeinsame Initiativen und buhlt massiv um den derzeit größten Auftragsfertiger von Chips, TSMC aus Taiwan. Und es gibt bereits einen ersten Erfolg: TSMC wird in Japan ein neues Forschungszentrum aufbauen, das sich auf neue Materialien und Packaging-Prozesse konzentrieren wird. Südkorea hingegen versucht die dominante Stellung seiner Konzerne bei Speicherchips zu nutzen, um nun auch zum führenden Hersteller von LSI- und Computerchips zu werden. Im Mai stellte die Regierung ihre "K-Halbleiterstrategie" vor, die bis 2030 mit Subventionen und Steuernachlässen für Forschung und Entwicklung sowie den Fabrikbau Investitionen von mehr als 370 Milliarden Euro in die Chipindustrie anregen will.

Gleichzeitig versuchen Regierung und Konzerne sich als verlässlicher Partner und Zulieferer des US-Versuchs anzudienen, Amerikas Chipproduktion wieder großartig zu machen – und die von Akkus und Autos gleich mit dazu. Südkoreas Präsident Moon Jae-in präsentierte US-Präsident Joe Biden im Mai bei einem Gipfeltreffen ein staatliches Antrittsgeschenk der Korea AG. Die vier koreanischen Konzerne Samsung Electronics, LG Energy Solution, SK Innovation und Hyundai Motor versprachen, zusammen 39,4 Milliarden Dollar in die Produktion von Halbleitern, Elektroautos und Batterien in den USA zu investieren.

Der Erfolg der japanischen und koreanischen Pläne ist dabei keineswegs gesichert. Noch versuchen sowohl Japan als auch Korea, ihre Rolle als neutraler Lieferant für alle Nationen zu bewahren. Beide Länder vermeiden daher, ihren wichtigsten Handelspartner China allzu arg zu brüskieren. Aber ihre Strategien deuten an, dass Unternehmen und Länder im Technikkrieg zwischen den USA und China immer stärker entscheiden müssen, an wen sie sich enger binden. Europa könnte davon profitieren, in dem es stärker um Allianzen mit den zwei ostasiatischen Technikexporteuren wirbt. (bsc)
Autor: Predatorfighter | Freitag 04. 06. 2021 0 Kommentare




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